Was Seidenweber von anderen unterscheidet
1. Vollstufige Produktion – und zwar wirklich
Der Begriff Vollstufige Produktion wird inflationär verwendet. Bei Seidenweber stimmt er. Vom Rohgarn bis zur fertig konfektionierten Bettwäsche geschieht alles in Plauen: Zwirnen, Weben, Veredeln, Nähen. Die meisten europäischen „Seidenmanufakturen” sind längst Konfektionäre, die asiatische Meterware verarbeiten. In Plauen stehen noch Webstühle, die tatsächlich laufen.
2. Gewebt statt bedruckt
Paisley, Damast, florale Ornamente – bei Seidenweber entstehen diese Muster im Webstuhl, nicht in der Druckmaschine. Jacquard-Weberei ist aufwendiger, teurer, langsamer. Aber der Unterschied ist fühlbar: Gewebte Muster haben Substanz, sie verändern sich mit dem Lichteinfall, sie nutzen sich nicht ab. Bedruckte Muster liegen auf der Oberfläche. Gewebte sind die Oberfläche.
3. Kontinuität durch vier politische Systeme
Gegründet 1928, enteignet 1946, verstaatlicht, zurückgekauft 1990. Die Plauener Seidenweberei hat Weimarer Republik, NS-Zeit, DDR und Wiedervereinigung überlebt – nicht als Marke, sondern als produzierender Betrieb. Das Wissen um Seidenweberei wurde nie unterbrochen, nur weitergegeben. Fast ein Jahrhundert, von Hand zu Hand. Das kann man nicht kaufen, nur erben.
4. Maßanfertigung als Standard
Während die meisten Hersteller Standardgrößen liefern und Sonderwünsche ablehnen, bietet Seidenweber individuelle Konfektionierung an: Sondermaße, verschiedene Verschlussarten, vier Konfektionsstufen von Basic bis Superior mit eingesetztem Stehsaum. Das Geschäftsmodell basiert nicht auf Masse, sondern auf Flexibilität. Möglich ist das nur, weil die gesamte Wertschöpfungskette im Haus liegt.
5. Der Standort ist kein Zufall
Plauen bedeutet Plauener Spitze – die Region war über Jahrhunderte ein Zentrum europäischer Textilproduktion. Dieses industrielle Ökosystem ist weitgehend verschwunden, aber nicht ganz. Wer hier Seidenweberei betreibt, tut das nicht trotz des Standorts, sondern wegen ihm. Es gibt noch Zulieferer, noch Fachwissen, noch Menschen, die Jacquard-Webstühle bedienen können. Wie lange noch, ist eine andere Frage.
Seide ist das Ergebnis einer Verwandlung. Bevor sie zum Stoff wird, ist sie Architektur: Ein Kokon, gesponnen von einer Raupe, die sich darin zur Motte wandelt. Dieses Gespinst besteht aus einem einzigen Faden, der bis zu 900 Meter lang sein kann. Ein Faden, in dem ein Tier sein Überleben gesichert hat – und der seit mindestens 5.000 Jahren die menschliche Kultur begleitet.
Die Geschichte der Seide beginnt am Gelben Fluss. Die chinesische Legende erzählt von der Kaiserin Leizu, die einen Kokon in ihren Tee fallen ließ und beim Herausfischen den endlosen Faden entdeckte. Historisch gesichert ist, dass die Seidenproduktion im China des dritten Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung begann – und dass das Wissen um ihre Herstellung über 2.000 Jahre lang als Staatsgeheimnis gehütet wurde. Wer Seidenraupeneier außer Landes brachte, riskierte sein Leben. Die Seidenstraße, jenes Netz aus Handelswegen zwischen Chang’an und dem Mittelmeer, verdankt ihren Namen diesem kostbaren Stoff. Seide war Zahlungsmittel, diplomatisches Geschenk, Statussymbol. Sie kleidete Kaiser und Kardinäle, wurde in Gräbern gefunden und in Kirchenschätzen bewahrt.
Was Seide so besonders macht, liegt in ihrer molekularen Struktur. Der Seidenfaden besteht aus Fibroin, einem Protein, das in seiner Zusammensetzung der menschlichen Haut erstaunlich ähnelt. Beide bestehen aus Aminosäuren, beide sind in der Lage, Feuchtigkeit aufzunehmen und wieder abzugeben. Diese strukturelle Verwandtschaft erklärt, warum Seide sich auf der Haut so natürlich anfühlt – nicht wie ein Fremdkörper, sondern wie eine zweite Hülle. Für Menschen mit empfindlicher Haut oder Neurodermitis kann diese Eigenschaft eine Wohltat sein.
Die Klimaeigenschaften von Seide folgen derselben Logik. Der Seidenfaden ist hohl und kann bis zu einem Drittel seines Gewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen. In warmen Nächten transportiert er Schweiß von der Haut weg und kühlt. In kalten Nächten isoliert die eingeschlossene Luft und wärmt. Diese doppelte Fähigkeit macht Seide zum idealen Material für Bettwäsche – sie passt sich an, statt zu dominieren.
Hinzu kommt eine Eigenschaft, die selten erwähnt wird: Seide ist außerordentlich reißfest. Gewicht für Gewicht übertrifft sie Stahl. Die Materialwissenschaft interessiert sich längst für dieses Naturmaterial, dessen Eigenschaften synthetische Fasern bis heute nicht vollständig nachahmen können. Was die Seidenraupe in wenigen Tagen spinnt, bleibt für die Technik eine Herausforderung.
Der Glanz der Seide entsteht durch die prismatische Struktur der Faser. Sie bricht das Licht ähnlich wie ein Kristall und erzeugt jenes charakteristische Schimmern, das je nach Blickwinkel changiert. Anders als der Glanz synthetischer Stoffe wirkt er nie aufdringlich – er lebt mit dem Licht, statt es zu reflektieren.
Seide verlangt Aufmerksamkeit. Das Fibroin reagiert empfindlich auf Hitze und alkalische Substanzen. Handwäsche mit mildem Seidenshampoo bei niedrigen Temperaturen, kein Auswringen, kein direktes Sonnenlicht beim Trocknen. Dieser Aufwand ist der Preis für ein Material, das bei richtiger Behandlung jahrzehntelang hält und mit der Zeit weicher wird, statt zu verschleißen.
Die Herstellung von Seide bleibt aufwendig. Für ein Kilogramm Rohseide werden etwa 5.000 Kokons benötigt, jeder einzeln abgewickelt. Die Seidenraupe – eigentlich die Larve des Maulbeerspinners – frisst bis zur Verpuppung das 40.000-fache ihres Körpergewichts an Maulbeerblättern. Diese Zahlen erklären, warum Seide ihren Wert behält. Sie ist nicht teuer, weil sie selten wäre, sondern weil ihre Entstehung Zeit, Fürsorge und handwerkliches Können verlangt.
Wer Seidenbettwäsche wählt, wählt ein Material, das älter ist als die meisten Zivilisationen. Ein Material, dessen Eigenschaften nicht erfunden, sondern entdeckt wurden – in einem Kokon, der eigentlich für etwas ganz anderes gedacht war.
Die Seidenartikel sollten separat, wenn möglich von links, im Feinwaschgang ohne weitere Beladung gewaschen werden, bei 30 Grad mit empfohlenen Seidenwaschmitteln wie z.B. Tenestar. Seide bzw. Seidenmischungen sind nicht für Trockner und Mangel geeignet. Bei der Trocknung im Freien setzen Sie Seidenartikel nicht der direkten Sonne aus. Die Seidenwäsche kann leicht feucht bei höchstens 110 Grad gebügelt werden.
– Seide bitte nie mit Parfum oder Deo besprühen
– Seide bitte nicht mit Bleichmittel waschen
– Seide beim Bügeln bitte nicht mit Wasser benetzen
– Einzelne Flecken nicht mit Wasser ausreiben, sondern das ganze Teil waschen
– Seide bitte von der Rückseite bügeln
– Seide bitte nicht auswringen
Seidenprodukte können per Handwäsche gereinigt werden, ohne die Seide zu schädigen. Am Besten verwenden Sie eine milde Seife oder ein spezielles Seidenshampoo wie Tenestar. Die Seide ungefähr 3-5 Minuten in lauwarmem Wasser einweichen.
Dunkle Seide oder bedruckte Seide nur kurz in kaltem Handbad waschen, bitte nicht einweichen. Es wird empfohlen, in dieser Zeit den Stoff nur leicht hin und her bewegen.
Die Seide nach max. 5 Minuten aus dem Wasser nehmen. Die Seide mit kaltem Wasser zusammen mit einem Teelöffel Wein-Essig spülen, um eventuelle Seifenrückstände zu entfernen. Dann die Seide in ein trockenes Handtuch einrollen, um die restliche Flüssigkeit aus dem Stoff zu ziehen. Bei dunkler oder bedruckter Seide sollten Sie das Handtuch mehrlagig verwenden. Danach bitte die Seide flach hinlegen und die Ecken leicht geradeziehen.
Seide sollte grundsätzlich leicht feucht und auf links gebügelt werden. Die Seide nicht zu heiß bügeln. Seide ist ein organischer Stoff, eine Eiweißverbindung ähnlich unserer Haare. Zuviel Hitze schadet nur.
Die Manufaktur: Seidenweber
Die Geschichte der Plauener Seidenweberei beginnt am 30. Mai 1928, als Wilhelm Wilke die „Spinnhütte Seidenspinnerei und Weberei GmbH” gründet. Der Standort im sächsischen Vogtland ist kein Zufall: Die Region gehört seit Jahrhunderten zu den Zentren deutscher Textilproduktion. Bereits in den 1930er Jahren spezialisiert sich das Werk auf Seidengewebe – zunächst für technische Anwendungen, später für Heimtextilien.
Die Nachkriegszeit bringt Enteignung und Verstaatlichung. Als VEB Mitteldeutsche Spinnhütte, später VEB Greika, produziert das Werk unter wechselnden Namen weiter. Die Webstühle laufen, das Wissen bleibt. Nach der Wiedervereinigung gelingt 1990 der Rückerwerb durch die Greika Thüringen GmbH. 1996 werden die Standorte zusammengelegt, 2013 entsteht die Marke Seidenweber.
Was die Plauener Manufaktur auszeichnet, ist die vollstufige Produktion. Vom Rohgarn bis zur fertig konfektionierten Bettwäsche geschieht alles unter einem Dach. Die Jacquard-Webstühle ermöglichen Muster von einer Komplexität, die anderswo kaum noch beherrscht wird – florale Ornamente, Paisley-Dessins, geometrische Strukturen, alle gewebt, nicht bedruckt. Der Unterschied zeigt sich in der Haptik: Gewebte Muster haben Tiefe, bedruckte liegen auf der Oberfläche.
Europa hat die meisten seiner Seidenwebereien verloren. In Plauen wird noch gewebt. Die Manufaktur gehört zu den wenigen verbliebenen Betrieben auf dem Kontinent, die Seide in dieser Qualität verarbeiten. Fast ein Jahrhundert Erfahrung fließt in jedes Stück – Wissen, das sich nicht beschleunigen lässt, nur weitergeben.
Willkommen zurück!
Jetzt registrieren
Erhalte exklusive Rabatte und Neuigkeiten
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Vimeo. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr Informationen