Die häufigste Frage vor dem Polsterkauf lautet, ob Leinen die Beanspruchung aushält. Die Antwort ist ein bedingtes Ja, und die Bedingung heißt Gewicht und Bindung.
Reines Leinen in Leinwandbindung ab etwa 250 Gramm pro Quadratmeter hält Reibung gut aus, auf Stühlen, an Kissen, an den Kanten eines Sofas. Die Leinwandbindung ist dabei kein Zufall. Sie ist die ursprünglichste Webart, jeder Faden überkreuzt abwechselnd jeden anderen, ein Muster wie ein Schachbrett auf Fadenebene. Das ergibt ein festes, gleichmäßiges Gewebe ohne Richtungseffekt, das sich nach allen Seiten gleich verhält. Für ein Möbel, das täglich benutzt wird, ist das die robuste Wahl. Köper- und Damastbindungen fallen weicher und schöner, sind aber für stark beanspruchte Sitzflächen weniger belastbar.
Für die am stärksten beanspruchten Flächen, das tägliche Familiensofa, den Esszimmerstuhl der Kinder, empfiehlt sich ein Leinen-Baumwolle-Mischgewebe. Es verbindet die hohe Reißfestigkeit des Leinens mit der Dehnbarkeit der Baumwolle und verzeiht mehr als ein reines Leinen. Das ist kein Kompromiss aus Not, sondern die materialgerechte Entscheidung. Reinleinen entfaltet seine Stärken im Bett, wo es unter gleichmäßigem Zug liegt. Auf einer Sitzfläche, die punktuell und ungleichmäßig belastet wird, spielt das Mischgewebe seine Vorteile aus.
Ein Punkt verdient Ehrlichkeit, weil er die Kehrseite einer Tugend ist. Leinen nimmt Flüssigkeit schnell auf. Was es als Bettwäsche zum kühlenden Material macht, ist am Polster eine Herausforderung. Flecken behandelt man deshalb sofort, tupft immer von außen nach innen ab und reibt nie. Reiben arbeitet den Fleck in die Faser hinein, statt ihn herauszuholen.