Bettwäsche aus Maulbeerseide: was ein 5000 Jahre alter Stoff heute leistet

Eine Bettwäsche aus Maulbeerseide kommt einem zuerst über die Haut nahe. Wer zum ersten Mal die Hand auf eine Bettwäsche aus Reinseide legt, registriert eine bestimmte Reihenfolge von Empfindungen. Zuerst die Kühle, schneller als bei jedem anderen Stoff, denn Seide nimmt die Wärme der Hand verzögert auf und gibt sie verzögert wieder ab. Dann die Glätte, eine fast widerstandslose Oberfläche, über die die Finger gleiten, ohne hängenzubleiben. Dann ein leichter Widerstand, der nicht von der Faser kommt, sondern von der Dichte des Gewebes. Und schließlich der Glanz, der je nach Lichteinfall einmal warm, einmal kühl, einmal seidig (der Begriff hat hier seinen Ursprung) erscheint. Diese Reihenfolge gilt für jede gute Seide; sie lässt sich nicht beschleunigen und nicht beschreiben, ohne den Stoff in der Hand zu haben.

Seide gehört zu den ältesten Textilien der Menschheitsgeschichte und zugleich zu den seltensten. Sie ist die einzige natürliche Endlosfaser, denn alle anderen Naturfasern müssen aus kurzen Stapeln gesponnen werden. Und sie ist die einzige, die nicht aus einer Pflanze, sondern aus einem Tier kommt: aus dem Kokon einer Schmetterlingsraupe, deren Zucht eine eigene Disziplin mit eigenen Begriffen und eigener Geschichte ist.

Fünftausend Jahre Seidengeschichte

Die ersten Belege für Seidenraupenzucht stammen aus dem chinesischen Neolithikum, etwa 3000 vor unserer Zeitrechnung. Über Jahrhunderte hielten die chinesischen Kaiserhäuser die Sericultur, also die Aufzucht des Maulbeerseidenspinners Bombyx mori, als Staatsgeheimnis. Auf den Versuch, Seidenraupeneier oder Maulbeersamen außer Landes zu bringen, stand nach den überlieferten Edikten die Todesstrafe. Wirtschaftlich war Seide für das chinesische Reich, was später Öl für das saudische sein sollte: eine strategische Ressource, die mit politischen Mitteln geschützt wurde.

Bettwäsche aus Maulbeerseide von Seidenweber Plauen, Kollektion Alea mit charakteristischem Glanz.

Der Handel mit der fertigen Ware ging dennoch von Anfang an in den Westen, also auf jener Route, die der Geograph Ferdinand von Richthofen 1877 in einem geographischen Aufsatz als Seidenstraße bezeichnete. Karawanen brachten chinesische Seide bis Rom; im Imperium war sie ein Luxus, dessen Preise mit Gold aufgewogen wurden. Der Senat versuchte mehrfach, das Tragen reiner Seide zu verbieten, denn der Devisenabfluss war erheblich.

Das Staatsgeheimnis brach um 552 unter dem byzantinischen Kaiser Justinian I. Nach den Berichten des Geschichtsschreibers Prokopios schmuggelten zwei nestorianische Mönche Seidenraupeneier in hohlen Bambusstäben nach Konstantinopel. Damit begann die byzantinische Seide, später die arabische, schließlich die italienische in Lucca im 12., Florenz und Venedig im 14. Jahrhundert. Lyon entwickelte sich seit dem 16. Jahrhundert zum französischen Seidenzentrum; in Deutschland bildete sich die Seidenweberei vor allem in zwei Räumen aus: in Krefeld, wo französische Hugenotten nach 1685 die Disziplin einbrachten, und in Sachsen mit Zentren in Plauen, Reichenbach und Großschönau.

Was Bettwäsche aus Maulbeerseide materiell ist

Eine Seidenraupe spinnt ihren Kokon aus einem einzigen Faden. Über zwei bis drei Tage stößt sie aus zwei Spinndrüsen am Kopf ein Doppelfilament aus, das sich verbindet und um sie selbst legt: bis zu 1500 Meter Faden pro Tier, gewickelt in feinste Schichten. Es ist die einzige Naturfaser, die in einem einzigen, ununterbrochenen Strang gewonnen wird. Alle anderen, also Baumwolle, Leinen, Wolle, müssen dagegen aus Stapelfasern von begrenzter Länge zu Garn versponnen werden.

Seidenweber Manufaktur in Plauen, Zuschnitt der Maulbeerseide für die Heimtextil-Kollektion Grazia.

Der Seidenfaden besteht aus zwei Substanzen. Im Kern liegt Fibroin, ein faserbildendes Eiweiß, das den eigentlichen Träger der Faserfestigkeit bildet. Umgeben ist es von Sericin, einer leimartigen Hülle, die im Kokon die Fäden verbindet und in der Verarbeitung wieder entfernt wird; dieser Vorgang heißt Entbasten. Erst nach dem Entbasten zeigt die Faser ihren charakteristischen Glanz; vorher wirkt sie matt und steif.

Die Eigenschaften, die Seide für textile Anwendungen so geschätzt machen, ergeben sich aus dieser Struktur. Seide hat eine Reißfestigkeit, die unter den Naturfasern hervorragt; Gewicht für Gewicht ist sie stabiler als Baumwolle. Sie nimmt bis zu dreißig Prozent ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit auf, ohne nass zu wirken, also wesentlich mehr als Baumwolle, ähnlich viel wie Leinen. Sie reguliert Temperatur in beide Richtungen: Sie kühlt im Sommer und wärmt im Winter, weil ihre Faserstruktur sowohl Luft einschließen als auch Wärme schnell ableiten kann. Und sie hat eine glatte Oberfläche, die mit der Hautoberfläche wenig Reibung erzeugt, was im Schlaf für die Haut und für die Haare einen messbaren Unterschied macht.

Seidenweber in Plauen: eine sächsische Manufaktur-Tradition

Die Linen Lounge führt im Sortiment die Manufaktur Seidenweber mit Sitz im sächsischen Plauen im Vogtland. Das Haus webt seit mehr als neun Jahrzehnten Heimtextilien aus Seide und gehört zu den wenigen deutschen Manufakturen, die diese Disziplin in Eigenfertigung weiterführen. Die Werkstatt ist Teil einer regionalen Tradition: Das Vogtland und das angrenzende Westsachsen sind seit dem 19. Jahrhundert Zentren der deutschen Textilindustrie, mit Spezialisierungen auf Plauener Spitze, Frottee und eben Seide.

Was Seidenweber heute herstellt, ist Bettwäsche aus reiner Maulbeerseide, gewebt, konfektioniert und endgefertigt im eigenen Haus. Die Kollektionen folgen einer Linie, die nicht auf großflächige Muster, sondern auf farbliche Tiefe setzt: das Programm reicht von zurückgenommenen Erdtönen über pastellige Mittellagen bis zu satten, gedeckten Farben, in denen die Seide ihre charakteristische Lichtwirkung entfaltet. Eine Seiden-Bettwäsche in einem tiefen Blau sieht im Morgenlicht anders aus als am Abend, anders bei Sonnenschein als bei Wolken; der Glanz der Faser nimmt jeden Lichtwechsel auf.

Bettwäsche aus Maulbeerseide von Seidenweber, Linie Soho in tiefen, gedeckten Farbtönen.

Seide als Bettwäsche: was sie kann, und was zu beachten ist

Eine Bettwäsche aus Reinseide ist eine andere Erfahrung als eine aus Leinen oder Baumwolle. Die Glätte verändert das Liegen: wenig Reibung an der Haut, weniger Verknotung der Haare, eine andere Art der Anschmiegung. Die Temperaturregulation ist besonders ausgeprägt, denn Seide ist eine der wenigen Fasern, die sich an wechselnde Außenbedingungen aktiv anpasst, weil ihre Hohlraumstruktur sowohl Luft halten als auch Feuchtigkeit weitergeben kann.

In der Pflege ist Seide anspruchsvoller als Leinen. Sie verträgt keine hohen Waschtemperaturen; die meisten Hersteller empfehlen 30 Grad, einige Manufakturen 40 Grad. Sie verträgt keine alkalischen Waschmittel; spezielles Seiden- oder Wollwaschmittel ist daher Standard. Sie verträgt keinen Trockner und keine direkte Sonneneinstrahlung beim Trocknen. Wer eine Seidenbettwäsche kauft, kauft eine Aufmerksamkeit, die mehr verlangt als die einer Reinleinen-Bettwäsche, und liefert dafür ein Materialerlebnis, das in seiner Charakteristik einzig ist.

Eine Bettwäsche aus Maulbeerseide ist nicht jedermanns Wahl, und sie soll es auch nicht sein. Sie ist eine Wahl für bestimmte Anlässe, bestimmte Räume, bestimmte Vorlieben. Im Sortiment der Linen Lounge steht sie neben den Reinleinen-Bettwäschen der acht Leinen-Manufakturen als eine andere Materialwelt, also kompatibel, allerdings nicht austauschbar. Wer Reinleinen sucht, das mit der Zeit besser wird, findet es bei Leitner, Libeco, Hoffmann, Vieböck, Schlitzer und Geniksa über die Bettwäsche-Kategorie. Wer Seide sucht, die im Licht lebt, findet sie bei Seidenweber.

Seide ist die einzige natürliche Endlosfaser; sie wird in einem einzigen, bis zu 1500 Meter langen Strang aus dem Kokon der Maulbeerseidenraupe gewonnen. Leinen und Baumwolle sind Pflanzenfasern aus kürzeren Stapeln, die zu Garn versponnen werden müssen. In den Eigenschaften: Seide hat einen ausgeprägten Glanz und eine glatte Oberfläche, reguliert Temperatur in beide Richtungen und nimmt bis zu 30 Prozent ihres Gewichts an Feuchtigkeit auf. Leinen ist robuster und langlebiger im Alltag. Baumwolle ist weicher beim Erstkontakt, allerdings kürzer haltbar. Die drei Materialien bedienen unterschiedliche Schlafvorlieben, also keines ist objektiv besser, alle drei haben Substanz.

Maulbeerseide ist die Seide des Maulbeerseidenspinners Bombyx mori, einer Schmetterlingsart, deren Raupen sich ausschließlich von Maulbeerblättern ernähren. Maulbeerseide ist die feinste und gleichmäßigste der gezüchteten Seiden; der Faden ist heller, dünner und glatter als bei Wildseiden wie Tussah- oder Eri-Seide. Praktisch alle hochwertigen Bettwäschen aus Maulbeerseide werden aus dieser Faser gefertigt.

Seidenweber ist eine sächsische Seiden-Manufaktur mit Sitz in Plauen im Vogtland. Das Haus webt seit über neun Jahrzehnten Heimtextilien aus Seide, mit eigener Weberei und Endfertigung. Die Linie ist auf Bettwäsche und Heimtextilien spezialisiert und gehört zu den wenigen verbliebenen deutschen Seiden-Manufakturen.

Seide verträgt keine hohen Temperaturen und keine alkalischen Waschmittel. Empfohlen sind 30 Grad mit speziellem Seiden- oder Wollwaschmittel, das die Faser nicht angreift. Kein Weichspüler, kein Bleichmittel. Trocknen liegend im Schatten, also nicht im Trockner und nicht in direkter Sonne. Bügeln auf der linken Seite bei mittlerer Temperatur, möglichst leicht feucht. Bei sachgerechter Pflege hält eine gute Bettwäsche aus Maulbeerseide über viele Jahre.

Seide entfaltet ihre Lichtwirkung am stärksten in mittleren bis tieferen Farben: sattes Blau, gedecktes Grün, warme Erdtöne, ein tiefes Bordeaux. Pastelltöne wirken auf Seide besonders zart, weil der Glanz die Farbe heller erscheinen lässt. Sehr helle Weiß- und Cremetöne sind klassisch, allerdings betonen sie die natürliche Materialwirkung der Faser stärker als die Farbe selbst. Grelle, plakative Farben wirken auf Seide dagegen schwer; sie konkurrieren mit dem materialeigenen Glanz, statt ihn zu tragen.

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