Darum knittert Leinen

„Leinen knittert Edel“, das ist ein schon im fin de siècle geflügeltes Wort. Doch warum?

Um der Antwort auf diese Aussage auf den Grund zu gehen, ist es am besten, ganz von vorne anzufangen, an dem Punkt, an dem aus der Pflanze, die als „gemeiner Lein“ bezeichnet wird, die Flachsfaser gewonnen wird. Darum knittert Leinen. In den Stängeln des gemeinen Lein bilden sich beim Heranwachsen auf dem Feld die Bastfaserbündel, die aus sogenannten Sklerenchym-Zellen bestehen, den Elementarfasern. Das komplette Faserbündel wird  technische Faser genannt. Diese setzt sich aus relativ kurzen Fasern mit etwa 2,5 bis 6 cm Länge sowie im oberen Teil des Stängels aus Fasern mit etwa 8 bis 10 cm Länge sowie sehr kleinen Fasern zusammen. Für die Fertigung von Leinen-Stoffen sind die Langfasern innerhalb der Pflanze von Bedeutung.

 

Auf die Faser kommt es an, wenn Leinen gewonnen wird

Der Aufwand, um die Fasern zu erhalten, ist sehr hoch und sehr zeitaufwändig. Etwa 10 Tage vor der Vollreife, in der Zeit der sogenannten Gelbreife, werden die Pflanzen gerauft, das bedeutet, dass sie mitsamt der Wurzel aus dem Boden gezogen werden. Sie werden nun auf dem Feld zum Trocknen und „rösten“ hingelegt, die sogenannte Tauröste oder auch Feldröste. „Rösten“ bedeutet, das in dieser Phase Mikroorganismen in die Stängel eindringen und dort die Pektine, eine Art Pflanzenleim, der die Fasern mit den Holzbestandteilen des Stängels verbindet, auflösen. Eigentlich ist das Rösten ein Fäulnisprozess, indem sich auch die für Leinen bekannte hellbraune oder flachsblonde Farbe entwickelt. Neben der Tau- oder Feldröste gibt es auch die Wasserröste, die den Vorgang beschleunigt, aber mit einem hohen Wasserverbrauch verbunden ist. Theoretisch ist auch eine chemische oder physikalische (Dampfdruckaufschluss) Röste möglich, jedoch sind diese Röstarten zu kostenintensiv und schädlich für die Faser.

Im Anschluss an das Rösten werden die Stängel der Pflanze gebrochen und der die Fasern umgebende Holzteil, die Schäben, von den Kurz- und den Langfasern getrennt. Im nächsten Schritt werden nun die Langfasern durch Hecheln, eine Art kämmen, von den Kurzfasern, dem Werg, getrennt. Die Langfaser wiederum ist die Basis für das in Spinnereien hergestellte Leinen-Garn, aus dem letztlich Leinenstoffe in verschiedenen Webtechniken gefertigt werden.

 

 

Der gemeine Lein, alles findet Verwendung

Nur etwa 15 % einer Flachspflanze besteht aus den begehrten Langfasern. Doch der große Rest, der übrig bleibt, ist nun keineswegs Abfall. Der Holzanteil, die Schäben, werden beispielsweise in Pressspanplatten als Füllstoff oder auch als Tiereinstreu verwendet. Die Kurzfasern, das Werg, sind in der Möbel- und Bauindustrie gern gesehen. Sie sind Bestandteile von Polsterfüllungen oder auch von Dämmstoffen und Verbundwerkstoffen. Bleibt noch der Leinsamen, der sich nicht nur im Öl-Lein bis zur Gelbreife ausgebildet hat. Das aus den Samen gewonnene Öl ist sowohl Speiseöl als auch Bestandteil von Farben, Wachstüchern, Schmierseifen, Kosmetika oder Linoleum. Selbst die Pressreste aus der Ölgewinnung sind als stark proteinhaltiges Tierfutter begehrt und was macht geschroteter Leinsamen mit uns? Er hilft der Verdauung auf die Sprünge.

Doch zurück zur Langfaser und dem Produkt daraus, dem Leinenstoff. Die Faser des gemeinen Lein ist sehr lang und sehr glatt. Dadurch entstehen Gewebe mit geringem Lufteinschluss, die zudem antistatisch, schmutzabweisend und antibakteriell wirken. Der wichtigste Effekt ist aber die einzigartige Fähigkeit von Leinen-Stoffen, Feuchtigkeit durchzuleiten und nicht nur zu speichern. Genau das macht den berühmten Klima-Effekt von Leinen aus, der je nach Bedarf trockene Kühle vermittelt oder auch wärmt.

Leinen Bettwäsche aus der Linen Lounge

Nun aber zur Antwort auf die Frage: Warum knittert Leinen? Im Gegensatz zu Baumwolle oder Seide besteht Leinen aus den Fasern des Stängels der Pflanze. Baumwollfasern sind Samenfasern, die sich einzeln und nicht in Bündeln ausbilden. Genauso besteht der Kokon der Seidenspinnerraupe aus einer einzigen sehr langen Faser. In der Natur müssen Samenfasern eine hohe Elastizität besitzen, Fasern aus Stängeln hingegen benötigen eine höhere Stabilität. In der Umsetzung bedeutet dies, das Leinenstoffe immer etwas steifer als Baumwolle oder Seide sind. Dadurch können sie auch leichter knittern, weil ihnen die Elastizität fehlt, sich nach dem Zerknittern wieder selbst zu glätten. Aber wie gesagt, Leinen knittert Edel und macht auch etwas zerknittert einen verdammt guten Eindruck. Zumindest als Leinen Bettwäsche.

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