Der Aufwand, um die Fasern zu erhalten, ist sehr hoch und sehr zeitaufwändig. Etwa 10 Tage vor der Vollreife, in der Zeit der sogenannten Gelbreife, werden die Pflanzen gerauft, das bedeutet, dass sie mitsamt der Wurzel aus dem Boden gezogen werden. Sie werden nun auf dem Feld zum Trocknen und „rösten“ hingelegt, die sogenannte Tauröste oder auch Feldröste. Wer wissen will, warum Leinen knittert, muss diese Stationen kennen. „Rösten“ bedeutet, das in dieser Phase Mikroorganismen in die Stängel eindringen und dort die Pektine, eine Art Pflanzenleim, der die Fasern mit den Holzbestandteilen des Stängels verbindet, auflösen. Eigentlich ist das Rösten ein Fäulnisprozess, indem sich auch die für Leinen bekannte hellbraune oder flachsblonde Farbe entwickelt. Neben der Tau- oder Feldröste gibt es auch die Wasserröste, die den Vorgang beschleunigt, aber mit einem hohen Wasserverbrauch verbunden ist. Theoretisch ist auch eine chemische oder physikalische (Dampfdruckaufschluss) Röste möglich, jedoch sind diese Röstarten zu kostenintensiv und schädlich für die Faser.
Im Anschluss an das Rösten werden die Stängel der Pflanze gebrochen und der die Fasern umgebende Holzteil, die Schäben, von den Kurz- und den Langfasern getrennt. Im nächsten Schritt werden nun die Langfasern durch Hecheln, eine Art kämmen, von den Kurzfasern, dem Werg, getrennt. Die Langfaser wiederum ist die Basis für das in Spinnereien hergestellte Leinen-Garn, und darum knittert Leinen, das aus dieser Faser entsteht, so unverwechselbar, aus dem letztlich Leinenstoffe in verschiedenen Webtechniken gefertigt werden.