Feng Shui im Schlafzimmer hat tiefe Wurzeln. Vor mehr als zwei Jahrtausenden entstand in China der Daoismus, eine Philosophie, in die noch weit ältere Anschauungen der chinesischen Bevölkerung eingeflossen sind und die bis heute zu den prägenden Denkströmungen des Landes gehört. Wer sich tiefer in den Daoismus und in das Feng Shui hineinliest, kann an irgendeinem Punkt das Gefühl bekommen, den Boden zu verlieren: Es ist eine Lehre mit unzähligen Verzweigungen, Schulen und Nebenwegen. Und doch lässt sich ihr Kern in einem einzigen Wort fassen, Harmonie.
Man kann sich den Daoismus als einen großen Kreis vorstellen, in dem viele kleinere Kreise liegen, ähnlich den Jahresringen eines Baumes. Jeder Ring trägt einen Namen und eine eigene Bedeutung. Die im Westen bekanntesten sind zwei: Yin und Yang, und Feng Shui. Während Yin und Yang das Verhältnis der Gegensätze beschreiben, ist Feng Shui die praktische Seite der Lehre: die Anleitung, die eigene Umgebung so auszurichten, dass Körper und Geist zur Ruhe finden. Und es gibt keinen Raum, in dem Feng Shui im Schlafzimmer näher liegt als dort, wo wir ein Drittel unseres Lebens verbringen.
Feng Shui im Schlafzimmer: Harmonie als unterschätztes Wort
In China, Japan, Korea und weiteren Ländern Asiens wird Feng Shui mit einer Ernsthaftigkeit behandelt, die im Westen oft überrascht. Schon die Lage eines Hauses und seine Ausrichtung zur Himmelsrichtung können darüber entscheiden, ob es einen Käufer findet. Selbst Büroräume werden in der Bauphase und später in der Einrichtung nach den Prinzipien des Feng Shui gestaltet. Niemand möchte ein schlechtes Feng Shui.
In der westlichen Welt herrscht dagegen meist der Pragmatismus: die Anpassung an das Vorhandene, das Abwägen von Kosten und Nutzen. Man muss die Lehre des Feng Shui nicht teilen, um zu bemerken, dass dabei etwas zu kurz kommt. Harmonie ist im Alltag erstaunlich unterbewertet, und es braucht keine fernöstliche Philosophie, um zu spüren, dass sie uns guttut. Oft tragen wir die Unruhe des Tages genau dorthin, wo eigentlich die Ruhe zu Hause sein sollte: ins Schlafzimmer.
Genau hier greifen die Regeln des Feng Shui, und treffen sich, fast unbemerkt, mit einem Begriff der jüngeren Zeit: der Schlafhygiene. Was die eine Lehre aus der Beobachtung der Natur gewonnen hat, hat die andere gemessen. Erstaunlich oft kommen beide zum selben Schluss.
Was sich im Schlafzimmer leicht umsetzen lässt
Die wenigsten Menschen können ihre gesamte Wohnung nach Feng Shui ausrichten. Im Schlafzimmer aber ist vieles ohne großen Aufwand möglich.
Eine erste Regel betrifft die Möbel: lieber wenige als viele, und lieber mit abgerundeten als mit scharfen Kanten. Der deckenhohe Spiegelschrank mit drei Schiebetüren ist ein verbreitetes Beispiel für schlechtes Feng Shui. So, wie wir liegend schlafen, sollten auch die Möbel um uns herum eher in die Breite als in die Höhe gebaut sein. Das ist keine reine Glaubensfrage. Auch die Schlafhygiene rät dazu: Hoch aufragende Möbel stören in der Einschlafphase, weil das Auge keine Ruhepunkte auf gleicher Ebene findet und zu unnötiger Anstrengung gezwungen wird. Scharfe Ecken und Kanten wirken ähnlich unruhig, und wieder stimmen Feng Shui und Schlafhygiene überein.
Eine weitere Übereinstimmung betrifft das Licht. Die Nachttischlampe entfaltet ihre beste Wirkung, wenn sie gedämpft leuchtet und in warmen, gelblichen Tönen, ein Licht, das den Körper nicht weckt, sondern in den Abend hineinbegleitet. Wer einmal darauf achtet, merkt schnell, wie sehr ein kühles, helles Licht dem Gefühl von Ruhe entgegenarbeitet.
Wasser, Strom und die stille Last der Geräte
Dem Wasser kommt beim Feng Shui im Schlafzimmer eine besondere Rolle zu, und in der Gegenwart treten die elektrischen Ströme an seine Seite. Wenn es sich einrichten lässt, sollte das Bett mit Abstand zu den in der Wand verlaufenden Wasser- und Stromleitungen stehen; im Idealfall etwa einen Meter.
Auch hier gibt es eine moderne Entsprechung. Die Baubiologie, die sich mit den gesundheitlichen Einflüssen des Wohnumfelds befasst, rät, den Bereich um das Bett möglichst frei von elektrischen Quellen zu halten, besonders bei Kinderbetten, die nicht unmittelbar neben einer Steckdose stehen sollten; ein Abstand von rund einem Meter gilt als untere Grenze. Was vor Jahrhunderten noch keine Rolle spielen konnte, in einer alten Lehre der Harmonie aber sicher seinen Platz gefunden hätte, ist die Zahl der elektronischen Geräte im Schlafzimmer. Dass blinkende, leuchtende, gelegentlich piepsende Smartphones, Fernseher und Ladegeräte den Schlaf stören, ist keine Frage der Weltanschauung. Es ist durch die Schlafforschung gut belegt, das Licht der Bildschirme greift in den natürlichen Rhythmus von Wachen und Schlafen ein.
Feng Shui würde hier vermutlich raten, was auch die nüchterne Beobachtung nahelegt: Das Schlafzimmer ist kein Arbeitszimmer und kein Wohnzimmer. Je weniger Geräte in ihm wohnen, desto eher findet der Raum, und mit ihm der Schlafende, zur Ruhe.
Feng Shui im Schlafzimmer: Farben, die zur Ruhe kommen
Welche Farbe ein Schlafzimmer trägt, entscheidet mehr über seine Stimmung, als man zunächst vermutet. Feng Shui rät zu ruhigen, gedeckten Tönen: zu Pastellen, zu erdigen und naturnahen Farben, zu sanften floralen Nuancen, und es rät ab von allem Grellen, Harten und von Kombinationen, die sich beißen. Eine Wand, ein Schrank in einem zurückgenommenen, beruhigenden Ton ist leicht umzusetzen, und niemand muss dafür auf Auswahl verzichten.
Bei der Bettwäsche lohnt sich derselbe Blick. Wer nach den Farben fragt, die sich für ein ruhiges Schlafzimmer bewährt haben, landet fast von selbst bei der Palette der Naturfasern: bei den ungefärbten und nur leicht gefärbten Tönen des Leinens, Flachsgrau, Naturweiß, Sand, Stein, ein gedämpftes Salbeigrün, ein erdiges Terrakotta. Es sind Farben, die nicht nach Aufmerksamkeit verlangen. Sie wirken, weil sie sich zurücknehmen, und genau das ist es, was ein Schlafzimmer braucht.
Ein Wort der Vorsicht zum Schluss dieses Gedankens: Feng Shui lässt sich nicht kaufen. Eine Bettwäsche, auf die groß ein Yin-und-Yang-Zeichen gedruckt ist, ist deshalb noch keine Feng-Shui-Bettwäsche, eher das Gegenteil. Harmonie entsteht nicht aus einem Symbol, sondern aus dem, was ein Stoff tatsächlich tut.
Der Stoff, der dem Körper am nächsten ist
Beim Feng Shui im Schlafzimmer geht es auch um den unmittelbarsten Stoff. Unter allen Dingen hält die Bettwäsche den engsten Kontakt zum Schlafenden. Hier zählt nicht allein die Farbe, sondern der Stoff selbst und seine Beschaffenheit. Im besten Fall erfüllt Bettwäsche mehrere Aufgaben zugleich: Sie gleicht die Temperaturschwankungen der Nacht aus, sie begleitet die Vorgänge des schlafenden Körpers, statt ihnen entgegenzuarbeiten, und sie fühlt sich auf der Haut so an, dass man sie vergisst.
Es gibt einen Stoff, der diese Aufgaben seit Langem erfüllt, länger sogar, als die Lehre des Feng Shui besteht. Die Flachsfaser, aus der Leinen gewonnen wird, nimmt Feuchtigkeit auf und leitet sie aktiv nach außen, statt sie zu speichern. Daraus entsteht eine Kühle, die nicht vom Thermometer abhängt, sondern vom Körper selbst. Im Sommer entlastet dieser Feuchtigkeitstransport den Schläfer; im Winter dämmt die röhrenförmige, lufthaltige Faser die Körperwärme, ohne dass es zu einem Wärmestau kommt. Leinen reagiert, wie es in der Materialkunde heißt, auf den Körper, nicht auf den Kalender. Eine glatte, reibungsarme Oberfläche tut das Übrige für eine empfindliche Haut.
Es ist eine schöne Fügung, dass eine alte chinesische Philosophie der Harmonie und eine ebenso alte Beobachtung über das Leinen einander hier begegnen: Schon der Prophet Ezechiel beschrieb das Leinen als das Gewebe, das den Träger „nicht zum Schwitzen bringt“. Die Materialforschung hat diese Beobachtung inzwischen bestätigt.
Feng Shui lässt Spielraum, und das ist gut so. Reine Leinenbettwäsche gibt Körper und Geist die Ruhe, die ein erholsamer Morgen braucht, doch ebenso harmonisch kann ein Leinen-Baumwoll-Mischgewebe, ein Baumwoll-Satin oder eine Bettwäsche aus Seide sein. Ideal ist im Feng Shui, was wirklich gefällt und was zur Harmonie führt.
Auf Körper und Gefühl hören
Schon die alten Chinesen waren sich einig, dass Harmonie kein fester Wert ist: Was als harmonisch empfunden wird, verschiebt sich mit dem Alter dessen, der es betrachtet. Der heutige Mensch hat dabei einen Vorteil, den frühere Generationen nicht kannten, eine große Auswahl an Farben, Möbeln und Stoffen für das eigene Schlafzimmer. Eine Tagesdecke in einem ruhigen Ton etwa legt sich wie eine waagerechte, beruhigende Linie über das Bett und nimmt dem Raum die Unruhe.
Die eigentliche Aufgabe ist damit aber nicht das Auswählen. Sie besteht darin, wieder auf den eigenen Körper und das eigene Gefühl zu hören, und weniger auf die Reize, auf die uns der Alltag trainiert hat. Feng Shui ist, von allem Beiwerk befreit, kaum mehr als das: die Einladung, das Schlafzimmer dem zurückzugeben, dem es gehören sollte. Der Ruhe.
Feng Shui ist die praktische Seite der daoistischen Lehre: die Anleitung, die eigene Umgebung so einzurichten, dass Körper und Geist Ruhe finden. Fürs Schlafzimmer heißt das vor allem, Quellen der Unruhe zu verringern — scharfe Kanten, hoch aufragende Möbel, grelle Farben, elektronische Geräte — und dem Raum eine ruhige, harmonische Ordnung zu geben.
Mit wenigen, eher niedrigen Möbeln mit weichen Kanten, mit gedämpftem, warmem Licht und mit ruhigen, naturnahen Farben. Natürliche Materialien sind dabei ein eigenes Gestaltungselement: Holz, und für Vorhänge wie Bettwäsche bevorzugt Naturfasern wie Leinen, die das Raumklima regulieren und mit der Zeit schöner werden. Stilvoll wirkt ein Schlafzimmer weniger durch das, was darin steht, als durch das, was man bewusst weggelassen hat.
Ruhige, gedeckte Töne: Pastelle, erdige und naturnahe Farben, sanfte florale Nuancen. Grelle Farben und sich beißende Kombinationen wirken unruhig. Die ungefärbten und leicht gefärbten Töne von Leinen — Flachsgrau, Naturweiß, Sand, Stein, gedämpfte Grün- und Erdtöne — fügen sich besonders gut in ein harmonisch gestaltetes Schlafzimmer.
Eine Bettwäsche, die die Temperatur der Nacht ausgleicht und sich angenehm auf der Haut anfühlt. Reines Leinen leitet Feuchtigkeit aktiv nach außen und reguliert Wärme in Sommer wie Winter; ebenso geeignet sind Leinen-Baumwoll-Mischgewebe, Baumwoll-Satin oder Seide. Entscheidend ist im Feng Shui, was sich für den Schlafenden wirklich stimmig anfühlt.







