Frottee und Leinen lösen dieselbe Aufgabe auf entgegengesetzten Wegen, und man versteht beide erst, wenn man sie sich von nahem ansieht. Wer Leinenhandtücher oder Frottee gegeneinander abwägt, sollte deshalb nicht mit der Frage nach dem besseren Tuch beginnen, sondern mit der nach der Bauweise.
Frottee ist ein Schlingengewebe. Aufrecht stehende Fadenschlingen bilden ein dichtes Polster mit enormer Oberfläche, eine Landschaft aus kleinen Kapillaren, die Wasser aufnimmt und in sich hält. Nach reiner Aufnahmemenge fasst ein schweres Frotteetuch mehr Wasser als ein flach gewebtes Leinen. Das ist keine Marketingfrage, das ist Geometrie, und es lohnt sich nicht, darum herumzureden: Wer das plüschige, satte Tuch sucht, das viel Wasser hält, greift zu Frottee. Das ist eine gute Wahl, und sie bleibt es.
Leinen wird flach gewebt oder als Waffelpiqué, jenem gewürfelten Relief, das die Oberfläche vergrößert, ohne ein Polster aufzubauen. Es hält weniger Wasser fest und gibt es dafür viel schneller wieder ab. Ein Leinenhandtuch hängt oft schon trocken am Haken, wenn das schwere Frottee daneben noch klamm ist.
Genau hier liegt der Unterschied, der im Alltag zählt. Ein Tuch trocknet einen Körper in wenigen Sekunden. Den Rest des Tages verbringt es damit, selbst wieder trocken zu werden. Ein Gewebe, das rasch abgibt, bleibt frisch; eines, das lange feucht bleibt, entwickelt jenen Februar-Geruch. Das schnelle Trocknen ist beim Leinen kein Nebeneffekt, sondern der eigentliche Punkt.