Es gibt Abende, an denen ein einfarbiges Tuch genau richtig ist, und solche, an denen die Tafel selbst mitreden soll. Für die zweiten ist der Leinendamast gemacht.
Damast ist kein bedrucktes Muster und kein Dessin auf der Oberfläche. Das Muster ist der Stoff selbst: eingewebt, mit Tiefe, mit einem Glanz, der sich mit dem Lichteinfall verändert. Es schimmert dort, wo die Fadenoberfläche das Licht unterschiedlich zurückwirft, und weil es nicht aufgetragen, sondern gewoben ist, nutzt es sich nicht ab. Ein Damasttuch zeigt sein Muster im Kerzenlicht anders als im Tageslicht, und genau das ist sein Reiz auf der festlichen Tafel.
Hoffmann aus der Oberlausitz webt Leinendamast in einem Haus, das seit 1905 im selben Gebäude steht, Dessins wie die Chrysantheme werden dort seit der Gründungszeit produziert. Das ist Tischwäsche in der alten Bedeutung: gut genug, um weitergegeben zu werden. Nicht im sentimentalen Sinne, sondern im materiellen, weil echtes Reinleinen aus Langfaserflachs mit den Jahren nicht schlechter wird, sondern besser.
Und weil der Damast sein Muster aus dem Gewebe selbst bezieht und nicht aus einer aufgetragenen Schicht, altert er, wie gutes Leinen altert: Er wird mit den Jahren weicher, ohne sein Bild zu verlieren. Ein Damasttuch ist Leinen auf dem Tisch in der ehrlichsten Form seiner Geschichte.