Sie ist die häufigste Frage bei Leinen oder Baumwolle, und sie hat eine belegte Antwort. Das CETELOR-Labor der Universität Lothringen verglich Leinen, Baumwolle, Viskose und Polyester in vier Kategorien; Leinen führte in dreien: höchste Luftdurchlässigkeit, höchste Wasserdampfdurchlässigkeit, schnellste Feuchtigkeitsaufnahme. Eine japanische Studie von 2013 prüfte den praktischen Fall, Schlaftemperaturen von 29 bis 30 Grad, und fand den thermischen Komfort unter Leinen messbar besser als unter Baumwolle.
Der Mechanismus ist unspektakulär und genau deshalb verlässlich. Feuchtigkeit, die nach außen transportiert wird, verdunstet dort. Verdunstung kühlt. Der schlafende Körper gibt über mehr als ein Drittel seiner Oberfläche Wärme und Feuchtigkeit ab und wechselt in einer Nacht bis zu dreißigmal die Position; ein Gewebe, das diesen Vorgang unterstützt, statt ihn zu blockieren, ist keine Frage des Komforts, sondern der Schlafphysiologie.
Das Baumwolllaken macht in derselben Nacht das Gegenteil. Es saugt sich voll und bleibt feucht. Es klebt, die Kühlung stockt, und jene schmale Luftschicht zwischen Haut und Stoff, das Bettmikroklima, wird zum Speicher statt zum Regulator.
Der ehrliche Zusatz: Der Unterschied entsteht nicht beim Hinlegen. Beim Hinlegen fühlt sich ein glattes Baumwollperkal kühl und angenehm an. Der Unterschied entsteht, wenn Feuchtigkeit ins Spiel kommt. Wer trocken und kühl schläft, wird ihn kaum bemerken. Wer nachts schwitzt, bemerkt ihn in der ersten Nacht.
Umgekehrt gilt derselbe Satz für den Winter, und er überrascht die meisten: Die hohle Faserstruktur des Flachses schließt Luft ein, und eingeschlossene Luft dämmt. Leinen wärmt, ohne schwer zu sein, und bleibt dabei trocken, kein Klammwerden, kein Wärmestau. Leinen ist kein Sommerstoff. Es ist ein Stoff, der auf den Körper reagiert, nicht auf den Kalender.