„Satin-Bettwäsche“ steht auf sehr vielen Etiketten, und sehr oft ist keine Seide darin.
Satin ist keine Faser. Satin ist eine Bindung. Die Atlasbindung führt den Kettfaden über mehrere Schussfäden hinweg, bevor er wieder untertaucht. Dadurch liegt an der Oberseite fast nur Kettmaterial, glatt, glänzend, geschlossen. Das funktioniert mit Seide. Es funktioniert genauso mit Baumwolle, mit Viskose und mit Polyester. Ein Polyestersatin für vierzig Euro glänzt auf dem Produktfoto ganz ähnlich wie eine Seide für das Zwanzigfache.
Zwei Begriffe helfen beim Auseinanderhalten. Seidensatin ist Seide, in Atlasbindung gewebt; Faser und Bindung sind beide genannt. Satin allein sagt nur, wie gewebt wurde, und verschweigt, woraus.
Wenn also die Frage lautet, ob Seide oder Satin besser sei, dann ist die ehrliche Antwort: Die Frage vergleicht ein Material mit einem Handwerksverfahren. Was Sie wissen wollen, ist die Faser. Steht auf dem Etikett nicht „100 % Seide“ oder „100 % Maulbeerseide“, ist es keine.
Unsere eigene Seidenbettwäsche ist übrigens gar kein Satin. Sie wird in Damast gewebt, dieselbe Technik, in der auch die alten Tischleinen entstanden. Das Muster entsteht dabei nicht aus Farbe, sondern aus dem Wechsel der Bindungsrichtung: Es ist nur zu sehen, wenn das Licht schräg fällt.